Geschichte

Auf der Spur des WALDRAPPs

Geronticus eremita - der greisenhafte Einsiedler

Der Waldrapp gehört zur Familie der Ibisvögel

Beschreibung: ca. 75 cm groß, schwarz mit purpurgrünlichem Gefiederglanz, die mittleren Oberflügeldecken sind je nach Lichteinfall bronzerötlich. Gebogener rötlicher Schnabel, nackter schiefergelblichgrauer Oberzopf, sichelförmig verlängerte dunkle Hals- und Nackenfeder, stämmige rote Beine.
Er verfügt über ein ausgeprägtes Sozialverhalten, die Familienverbindung ist sehr stark und die Jungtiere lernen viele Verhaltensweisen von den Eltern und anderen Gruppenmitgliedern.
Der Koloniebrüter ist ab dem 3. bzw. 4. Lebensjahr brutfähig und beginnt Mitte März mit dem Nestbau. Es gibt 2-4 Eier, die Brutdauer beträgt ca. 27 – 28 Tage. Nach ca. 46 – 51 Tage, meist Anfang Juni, sind die Jungen flügge.

Ernährung : Würmer, Insekten, Lurche, Käfer, Schnecken und dgl.

Lautrepertoire : gruh, grup und juk juk Laute

Lebensraum : kahle, jedoch steile Felswände mit Höhlen und Klüften in unmittelbarer Nähe von Gewässern

Lebenserwartung : ca. 30 – 40 Jahre

 

Geschichte:

Die ältesten bekannten Waldrapp Abbildungen entdeckte man in Ägypten, wo er in zahlreichen Hieroglyphentexten in Pyramiden auf Opferkammern, Sargschreinen sowie auf Schmuckstücken vertreten ist.
Im Rahmen des altägyptischen Tierkultes (3500/3000 v. Chr. bis 400 n. Chr.) kam ihm ein bedeutsamer mythisch-ritueller Rang zu. Er galt als Symbol für Ruhm, Erhabenheit, Glanz, Größe und Geisteskraft.

Die Ursache sowie der genaue Zeitpunkt seines damaligen Verschwindens sind unbekannt.

86 n. C. berichtet Plinius über den Präfekten Engatius Calvinus, der den Ibis auch in den Alpen gesehen haben will.

Vom 4. bis ins 17. Jahrhundert war der Waldrapp im Balkan über Ungarn, Italien, Österreich, Schweiz, Süddeutschland, Nordafrika und dem Nahen Osten verbreitet.

Schriftliche Aufzeichnungen belegen die Existenz in Österreich:

1504: wurden von König Maximillian I Strafandrohungen für das Ausnehmen der Nester sowie das Abschießen von Altvögel in Graz erlassen

1528: Verfügung König Ferdinands zur Schonung der Waldrappen am Schlossberg

1530: Fürst Mattheus untersagt per Dekret den Bewohnern der Salzburger Getreidegasse das Schießen auf die am Mönchsberg wohnenden „Clausrappen“.

1560: Wappentier der Grazer Stadtpfarre

1566: Erzherzog Karl erlässt Schutzordnung an Fischmeister

1582: Abbildung im Wiener Messbuch „Missale Romanum“ (Wiener Hofbibliothek)

1600: wurde vermutlich das letzte graphische Zeugnis des alpinen Vorkommens für Kaiser Rudolf II., von G. Hoefnagel angefertigt. Es befindet sich heute in der österreichischen Nationalbibliothek

1621: Artikel zum Schutz der Klausraben in der österr. Fischerei Instruktion (ab 1638 nicht mehr erwähnt)

1630-1645: vermutlich auf Grund rücksichtsloser Verfolgung aus Mitteleuropa verschwunden.

 

Im Laufe der Zeit erfolgten verschiedene Zuordnungen sowie unterschiedliche Namensgebungen:
Brachvogel, Wiedehopf, Sichler, Rabe, Klausrapp, Steinrapp, Alpenkrähe, Bergeinsiedler, Nachtrabe, Scheller, Schweizereinsiedler, Glöckner, Meerrapp und viele mehr

 

1555: wurde der Waldrapp vom Züricher Stadtarzt Konrad Gesner als „Corvus Sylvaticus“ bezeichnet

ab 1745: wurde die Existenz des Vogels in Frage gestellt

1791: erscheint bei Bechstein vorerst nur eine Waldrappabbildung

1793: erfolgte in dessen Buch eine Übersetzung und Vorstellung des Ibis

1802: Bezeichnung als „ Alpenkrähe “ oder „ Unding

1806: Feststellung, dass Gesner mit dem Balg betrogen wurde

weitere Meinungen über Gesners Präparat wie z.B.: künstliches Exemplar, das aus Teilen verschiedener Vögel zusammengesetzt wurde - ein durch Unfall verunstalteter Vogel - phantastisch aufgemachte Alpenkrähe - es handelt sich um ein Fabeltier, tauchten auf

1820: erfolgte die Wiederentdeckung des Waldrapp am Kap der guten Hoffnung, in weiterer Folge wurden Vorkommen in Äthiopien, Syrien, Algerien und am Roten Meer vorgefunden.

1898: wiesen 3 deutsche Ornithologen die Identität des orientalischen „Schopfibis“ mit dem Rätselvogel Gesners nach. Er erhielt seine endgültige Bezeichnung „geronticus eremita“ ( Linnaeus 1758)

 

Heutige Bestände:

Türkei:

1953 wurden noch an die 1300 Tiere in Birecik angetroffen,

1989 waren der Waldrapp trotz Schonung der Vögel aus religiösen Motiven und dem Bemühen des WWF und anderen Organisationen, auch dort verschwunden.

Vermutliche Ursache : der Brückenbau am Euphrat, Pestizide, Nahrungsabnahme, Virusinfektionen, mangelnde Akzeptanz der Bevölkerung

 

Marokko:

Während 1940 ca. 1500 Exemplare gezählt werden konnten, ist der Bestand im Souss Massa Nationalpark bis heute auf knapp 200 Stück gesunken.

Als Ursache dürfte die Kultivierung von Nahrungsflächen, Wilderei, Störung durch Einheimische und Touristen gelten.

Es ist dies die letzte überlebensfähige Waldrappkolonie weltweit!

 

Der Waldrapp steht auf der „ roten Liste “ ( Red Data Book) und zählt heute zu den am meisten bedrohten Tierarten der Welt.

Die Zucht in zoologischen Gärten, in denen zur Zeit ca. 1700 Waldrappe aus marokkanischer Herkunft leben, bildet eine gewisse Rückversicherung für Wiederansiedelungsprojekte und eine Sicherung der Art auf möglichst breit gefächerter Basis.
Ein Erhaltungs- und Zuchtprogramm wird seit Jahren vom Innsbrucker Alpenzoo geleitet und koordiniert.
Während Auswilderungsprojekte in der Türkei und Israel scheiterten, gelang es der Konrad Lorenz Forschungsstelle in Grünau im Almtal unter Leitung von Kurt Kotrschal im Jahr 1997 ein Freiflugprojekt erfolgreich durchzuführen.
Seit 2002 brütet diese Kolonie erstmals im Grünauer Cumberland Tierpark.
Das Waldrappteam unter Leitung von Johannes Fritz versucht seit 2003 mit Ultralight Flugzeugen im Vorausflug, einer Gruppe handaufgezogener Tiere die Zugroute nach Süden in Erinnerung zu bringen. Die Überwinterung erfolgte 2003 in einem Schutzgebiet in der Toskana.

Somit scheint die Wiederansiedelung in Europa wieder im Bereich des Möglichen.

 

Ziele des Waidhofner Waldrapp Projektes:

Durch den Bau einer der größten und interessantesten Volieren Europas wurde nicht nur ein Beitrag zur Erhaltung dieser Art geleistet, sondern soll auch generell das Verständnis der Bevölkerung für die Notwendigkeit und Wege zur Erhaltung der Artenvielfalt geweckt werden.
Der Einbezug der mobilen Außengruppe des Caritas Tagesheimes zur Pflege und Wartung der Anlage sowie zur Fütterung der Tiere gibt Menschen mit besonderen Bedürfnissen die Möglichkeit einer sinnvollen, interessanten und abwechslungsreichen Beschäftigung.

 

Jimmy MOSER

(Verein Waldrapp Initiative Waidhofen)

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Stand: 24.05.2016